Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel

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Interview über den Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. mit Georg Held, Vorsitzender des Vorstandes und Gabriele Hässig, stellvertretende Vorsitzende.

Interview über den Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. mit Georg Held, Vorsitzender des Vorstandes und Gabriele Hässig, stellvertretende Vorsitzende.

Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) hat im Jahr 2018 sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Ein Verband hat ja kein „Haltbarkeitsdatum“, daher stellt sich die Frage, wie sich die Philosophie und die Ziele des IKW in dieser Zeitspanne verändert haben. Ist die Verbandsarbeit heute noch so aktuell wie bei der Gründung?
Georg Held: Auf jeden Fall. Das zur Gründung des Verbands ausgesprochene Ziel, die Mitgliedsunternehmen dabei zu unterstützen, ihre Chancen auf dem „großen europäischen Markt“ wahrzunehmen, ist heute noch genauso aktuell wie am ersten Tag. Durch die Globalisierung sind weitere Märkte auf der ganzen Welt hinzugekommen – und damit hat sich auch der Horizont unserer Aktivitäten für die mehr als 430 Mitgliedsunternehmen deutlich erweitert. So unterstützt der IKW die Hersteller beispielsweise bei der Entwicklung von Auslandsmärkten, indem er die Förderung von Auslandsmessen und Markterschließungsmaßnahmen für bestimmte Exportregionen beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beantragt.

Georg Held: Über die Jahre konstant geblieben ist unser Anliegen, die Interessen der Mitgliedsunternehmen im Dialog mit den unterschiedlichen Anspruchsgruppen zu vertreten. Hierfür pflegen wir einen intensiven Kontakt zu Behörden, Politikern, Wissenschaftlern, Verbänden, NGOs und anderen gesellschaftlichen Einflussgruppen.

Was denken Sie, was werden die Schwerpunkte der Arbeit des IKW in den nächsten 10 Jahren sein?
Gabriele Hässig: Die Herausforderungen für unsere Mitgliedsunternehmen werden in Zukunft nicht kleiner und daran messen wir auch unsere Arbeit. Die Ansprüche an Sicherheit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Produkte bleiben weiterhin sehr hoch. Gleichzeitig verändern sich vielerorts die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Regelungen. Alt bekannte Konsummuster wandeln sich. Damit die Experten des IKW die Unternehmen zuverlässig unterstützen können, müssen wir mit diesen Veränderungen nicht nur Schritt halten. Wir müssen immer auch einen Schritt voraus sein.

Gabriele Hässig: Transparenz und Fakten kommen bei manchen Debatten leider oft zu kurz. Hier sehen wir ein zentrales Handlungsfeld. Der IKW steht daher bereits seit dem Jahr 2001 im Dialog zum Thema Nachhaltigkeit im Haushalt u.a. mit Verbraucher- und Umweltverbänden, Behörden, Hochschulen und Herstellern von Haushaltsgeräten. Aus diesem Dialog ging das FORUM WASCHEN hervor, das seit dem Jahr 2004 jährlich den Aktionstag Nachhaltiges (Ab-)Waschen organisiert und praxisrelevante Tipps gibt, um z. B. bei der Hausarbeit gleichzeitig die Umwelt und die Haushaltskasse zu entlasten. Das FORUM WASCHEN wurde mehrmals vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung und von der UNESCO ausgezeichnet. Der IKW ist auch im Dialog Kosmetik aktiv, um bei aktuellen Themen im Gespräch mit den relevanten Stakeholdern wie Ministerien und Behörden zu sein. Darüber hinaus wirken unsere Fachleute in verschiedenen Arbeitskreisen mit. So werden beispielsweise Prüfmethoden zur Qualitätsbewertung von Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln erarbeitet. Dies erfolgt gemeinsam mit Prüfinstituten und Herstellern von den Oberflächen, die gereinigt und gepflegt werden sollen (z. B. Armaturen in Bad und Küche), und der Reinigungsgeräte (z. B. Spülmaschinen). Diese Methoden werden im SOFW-Journal und auf www.haushaltspflege.org veröffentlicht. Sie bilden die Grundlage für vergleichende Leistungstests von Reinigungs- und Pflegemitteln. Wir organisieren darüber hinaus gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche und angewandte Kosmetik (DGK) Fort- und Weiterbildungsseminare für die Sicherheitsbewerter, um deren Wissen zur Sicherheit der Produkte immer up to date zu halten. Die Kurse sind so erfolgreich, dass wir sie mittlerweile auch weltweit als Webinare anbieten.

Welche Themen sind für IKW-Mitgliedsfirmen besonders aktuell?
Georg Held: Zu den Top-Themen für unsere Mitgliedsunternehmen zählt der Einfluss der Digitalisierung auf alle Geschäftsprozesse. Das schließt auch den Vertrieb und die Kommunikation mit den Verbrauchern ein. Denn das Netz und die sozialen Medien sind die Orte, wo sich die heutigen Verbraucher informieren, miteinander kommunizieren und ihre Produkte kaufen. Die Hersteller von Kosmetik und Wasch- und Reinigungsmitteln sind besonders nah an den Verbrauchern und haben daher schon sehr früh digitale Technologien genutzt, um Verbraucherwünsche zu erkennen und noch besser erfüllen zu können. Das betrifft sowohl das Online-Shoppingerlebnis, die Online-Kommunikation mit Verbrauchern, als auch die Nutzung von Apps als digitale Leistungsergänzungen zu Produkten.

Wie unterstützt der IKW seine Mitgliedsfirmen zu aktuellen Trends?
Georg Held: Der IKW liefert mit Ergebnissen von Studien, wie zum Beispiel der IKW-Zukunftsstudie und der Studie „Die neue Macht des Putzens“, seinen Mitgliedsunternehmen wichtige Erkenntnisse zum Werteverständnis und Konsumverhalten der Verbraucher. So hat z. B. im Vergleich zu den 1990er Jahren die Zahl der Menschen zugenommen, die es für sehr wichtig halten, dass ihre Wohnung immer pieksauber ist. Außerdem trifft der IKW auf Veranstaltungen, Seminaren und Workshops Influencer und bietet diesen wichtigen Multiplikatoren sein Fachwissen, beispielsweise zu kosmetischen Inhaltsstoffen an.

Mit der kürzlich vom IKW durchgeführten Jugendstudie suchen Sie nach Hintergründen für den Hype der Social Media, speziell Instagram. Kurzgefasst, was sind die Erkenntnisse und wo kann man mehr darüber erfahren?
Gabriele Hässig: Uns war wichtig zu erfahren, was die Jugendlichen heute beschäftigt. „Insta ungeschminkt“ ist die dritte Jugendstudie des IKW, die sich mit der Generation Z und der Entwicklung des Selbstwertgefühls der Jugendlichen beschäftigt. Vorangegangene Studien haben bereits gezeigt, dass die Jugendlichen einen starken Kontrollverlust verspüren. Familiäre Trennungen, gesellschaftliche Spannungen und die körperlichen Veränderungen in der Pubertät verunsichern die Jugendlichen enorm. Die Jungen und Mädchen suchen nach eigenen Strategien, die Selbstbestimmung zurückzugewinnen. Und Kosmetik hilft ihnen dabei.

Gabriele Hässig: Die Ergebnisse von „Insta ungeschminkt“ zeigen darüber hinaus: Gemocht und gelikt zu werden, ist für die Jugendlichen zentral. Reichweiten und Follower sind für viele wichtig für das eigene Selbstwertgefühl. Aus Sicht der Jugendlichen ist Instagram eine perfekte und heile Welt, die sie selbst erschaffen können. Das Böse und Schlechte wird für einen gewissen Zeitraum ausgeblendet. Themen, die das Schöne dieser Welt zeigen, werden hingegen bevorzugt. Durch perfekt inszenierte Bilder haben sie das Gefühl, unverwundbar zu sein. Natürlich wirft das auch Fragen auf. Mehr Informationen zu „Insta ungeschminkt“ und den anderen IKW-Jugendstudien gibt es auf www.ikw-jugendstudie.org.

Und mal ganz persönlich und offen gefragt: Wo kaufen Sie bevorzugt Kosmetikprodukte und Artikel des täglichen Bedarfs ein, wie z. B. Waschmittel und Haushaltspflege, deren Hersteller Sie ja auch vertreten?
Georg Held: Das hängt ganz vom Produkt ab. Es gibt Produkte des täglichen Bedarfs, die man sehr regelmäßig verwendet, wie zum Beispiel Waschmittel, Spülmaschinenmittel oder auch ein Duschgel. In diesen Fällen kenne ich das Produkt und weiß, was es leistet. Diese Produkte kaufe ich recht regelmäßig online ein, weil es sehr unkompliziert ist. Bei kosmetischen Produkten wie dekorativer Kosmetik bevorzuge ich den Einkauf im Geschäft. Da kann ich direkt feststellen, ob mir die Farbe oder die Konsistenz eines Produkts gefällt. Insbesondere, wenn ich etwas Neues ausprobieren möchte, lasse ich mich gern in einem Drogeriemarkt, einer Apotheke oder Parfümerie beraten.

Welchen Trend sollten Ihre Mitglieder in keinem Fall verpassen, um weiter in der Front Row dabei zu sein?
Gabriele Hässig: Ein wichtiges Ergebnis einer vom IKW beauftragten Zukunftsstudie ist, dass es den einen Megatrend in Zukunft nicht geben wird. Unsere Welt wird immer vielschichtiger und das bedeutet, dass sie stark von unterschiedlichsten Perspektiven geprägt sein wird. In der Schönheitspflege zeigt sich das beispielsweise auf der einen Seite in einem intensiven Streben nach Perfektion. Das wird zusätzlich von den Möglichkeiten der Digitalisierung noch weiter vorangetrieben. Auf der anderen Seite bildet sich ein mächtiger Gegenpol in Richtung Achtsamkeit, Natürlichkeit und Authentizität. Und der wird durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahrzehnten noch an Schwung gewinnen.

Gabriele Hässig: Die Haushaltspflege wird geprägt sein von der Technologisierung des Alltags und dem gesellschaftlichen Wandel der Geschlechterrollen. So wird die Digitalisierung zu einer weiteren Automatisierungswelle von vernetzten Haushaltsgeräten führen. Es wird neue Formen der Organisation und Koordination von alltäglichen Erledigungen geben. Während Frauen immer selbstverständlicher in den Arbeitsmarkt eintreten, wird Haushaltspflege immer mehr auch Männersache. Das wiederum erhöht den sozialen Status der Produkte und Tätigkeiten rund um Haushaltspflege. Dieser Bedeutungswandel bestärkt einen weiteren Trend: Das Social Cocooning, den Rückzug in die eigenen vier Wände als Zufluchtsort.

Gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen dem Einkaufsverhalten für Kosmetikprodukte und Haushaltspflegeartikeln?
Georg Held: Der Wunsch, sich schön zu fühlen, und der Wunsch nach einem gepflegten Zuhause sind grundlegende Bedürfnisse. Kosmetik und Haushaltspflegeprodukte tragen daher gleichermaßen dazu bei, dass sich Verbraucher wohl fühlen.
Georg Held: Der Unterschied im Einkaufsverhalten bei den Produkten ergibt sich vor allem aus dem Zweck der Anwendung heraus. Sich zu schminken, die Haare zu stylen und eine Körperlotion mit einem Lieblingsduft aufzutragen, macht vielen Verbrauchern Spaß und trägt entscheidend zum eigenen Selbstwertgefühl bei. Verbraucher sind dementsprechend bereit, sich ab und zu von neuen Produkten inspirieren zu lassen. Ein neues Duschgel mit erfrischendem Duft, ein Lippenstift in der neuen Trendfarbe oder die Gesichtscreme mit einer innovativen Technologie probiert jeder gern einmal aus. Ein Waschmittel kauft man hingegen eher aus Vernunftgründen, denn ohne Wäschewaschen oder Geschirrspülen geht es nun einmal nicht. Qualitativ hochwertige Produkte im Bereich der Haushaltspflege punkten dann, wenn sie Verbrauchern einen sehr konkreten Mehrwert bieten, indem sie beispielsweise Arbeit abnehmen, Zeit sparen und den Wert von Dingen erhalten. Der Einkauf dieser Produkte ist daher grundsätzlich eher von praktischen Erwägungen geprägt. Auch bei Wasch- und Reinigungsmitteln spielt das subjektive Empfinden, z. B. der Duft des Waschmittels oder damit gewaschener Textilien, eine ganz wichtige Rolle für die Kaufentscheidung.

In regelmäßigen Abständen werden in der Presse gefährliche Inhaltsstoffe in der Kosmetik oder der Haushaltspflege angeprangert, wie seriös sind die Berichte und wie reagieren Sie als Verband?
Gabriele Hässig: Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit ist es, immer wieder mit Redaktionen zu sprechen, Informationen zu liefern und über die tatsächlichen Sachverhalte aufzuklären. Angeblich neue Untersuchungen und spektakuläre Studienergebnisse werden häufig aus Unwissenheit übernommen. Hier setzen wir an und versuchen, durch wissenschaftliche Belege und fundierte Expertenmeinungen zu überzeugen. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach, da eine reißerische Überschrift oft mehr Aufmerksamkeit erhält als eine ausgewogene Berichterstattung.

Gabriele Hässig: Entwicklungen wie die neue Verbraucher-App COSMILE begrüßen wir daher sehr. Diese App liefert umfassende Informationen zu Inhaltsstoffen –  allein basierend auf wissenschaftlich fundierten Fakten. COSMILE verzichtet auf eine subjektive Bewertung von Produkten und Inhaltsstoffen durch den Anbieter der App. Sie bietet Verbrauchern mit einem schnellen und unkomplizierten Produktscan vielmehr neutrale Informationen zu allen im Produkt enthaltenen Inhaltsstoffen und deren Funktionen und hilft, die manchmal komplizierte INCI-Liste zu entschlüsseln. Die App greift hierzu auf eine riesige Datenbank von haut.de zurück, die Informationen zu mehr als 23.000 Inhaltsstoffen enthält. Insbesondere Allergiker können von der App profitieren, da sie so noch schneller erkennen können, ob ein bestimmter Inhaltsstoff enthalten ist, den sie nicht vertragen.

Das Thema Umwelt hat alle Lebensbereiche erfasst. Wie ernsthaft setzen sich Ihre Mitglieder bei Produktneuentwicklungen und Markteinführungen damit auseinander? (Beispiele nennen)
Georg Held: Die Hersteller von Kosmetik und Haushaltspflegeprodukten sind sich ihrer Verantwortung für die Umwelt sehr bewusst. Sie achten darauf, dass ein Duschgel, eine Zahnpasta oder ein Waschmittel nicht nur gesundheitlich unbedenklich, sondern auch ökologisch verträglich ist. Wir haben in der EU sehr strenge gesetzliche Bestimmungen. Umweltauswirkungen und -risiken von Inhaltsstoffen sind beispielsweise durch das europäische Chemikalienrecht geregelt. Die Gesetzgebung schreibt außerdem vor, dass Sicherheitsbewerter vor der Markteinführung eines kosmetischen Produkts überprüfen müssen, ob ein Produkt allen gesetzlichen Bestimmungen entspricht und umweltverträglich ist.

Gabriele Hässig: Die Unternehmen tun aber noch viel mehr. Die Hersteller der Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie sind beispielsweise sehr engagiert, um den Verpackungsverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren. Durch die Verwendung dünnwandiger Packungen konnten schon erhebliche Einsparungen beim eingesetzten Verpackungsmaterial erzielt werden. Wo immer möglich, setzen die Hersteller leichtere Verpackungen ein. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln konnte der Verpackungsaufwand pro Produkteinheit insbesondere durch Produktkonzentrierungen deutlich reduziert werden. Das verringert nicht nur den Waschmitteleintrag in die Umwelt, sondern reduziert aufgrund kleinerer Verpackungen auch den Transportaufwand deutlich. Bei kosmetischen Produkten haben teilweise Refill-Systeme und Konzentrate, die kleinere Behälter erfordern, für zusätzliche Einsparungen an Verpackungsmaterial gesorgt.

Georg Held: Ein weiteres Beispiel: Der IKW ist schon seit längerem an Initiativen wie zum Beispiel dem „Runden Tisch Meeresmüll“ und dem deutschen „Kosmetikdialog“ beteiligt, die sich intensiv mit Lösungen beschäftigen, um den Eintrag von Plastik in die Meeresumwelt zu verringern. Die Kosmetikhersteller in Deutschland sind sehr aktiv und haben frühzeitig auf freiwilliger Basis begonnen, Mikroplastik in abzuspülenden kosmetischen Reinigungsprodukten durch alternative Lösungen zu ersetzen. Dies ist bereits zu mehr als 97 Prozent umgesetzt. Als Alternativen werden beispielsweise Walnussschalen und andere Fruchtschalen, Wachse, Zellulose oder mineralische Stoffe eingesetzt. In Wasch- und Reinigungsmitteln wurden bisher nur vereinzelt Mikroplastikpartikel eingesetzt wie beispielsweise in Reinigungsmitteln für Glaskeramik-Kochfelder. Sie entfernen hartnäckigen Schmutz gut, sind aber gleichzeitig schonend zur Oberfläche. Auch diese Hersteller haben bereits diese Mikroplastikpartikel weitgehend gegen andere Abrasiva ausgetauscht, etwa durch gemahlene Aprikosenkerne oder Aluminiumoxid.

Quelle: livingpress.de