Kulturelle und soziale Identität

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nasan tur

Nasan Tur beobachtet  zumeist an öffentlichen Orten, die Menschen und ihre Verhaltensmuster und führt kritisch aber zugleich auch auf humorvolle Weise Untersuchungen zu unserer kulturellen und sozialen Identität.

Nasan Tur

Die ganze Dimension der Wichtigkeit, die Nasan Tur auf die persönliche Kommunikation legt, erschließt sich aus seinem Projekt „Master Yang“ (2002), einem Projekt zwischen Ausstellung und Happening, das nur für die unmittelbar beteiligten einen Sinn und eine persönliche Auswirkung hatte: Im zum Ausstellungsort ernannten Treppenaufgang eines Frankfurter Bürogebäudes plakatierte er Privatfotos der Mitarbeiter, die jeweils ein nur für sie persönlich wertvolles Bild anonym zur Verfügung stellten.

Nun täglich mit ihren Erinnerungen konfrontiert, vollzogen sich Veränderungen sowohl in der persönlichen Einstellung der Beteiligten als auch in ihrem Verhalten zueinander: die Anonymität, die zu Beginn des Projektes im Haus vorgeherrscht hatte, war gewichen zu Gunsten einer – in unterschiedlichem Ausmaße stattfindenden – Kommunikation der einzelnen Parteien untereinander. Auf natürliche Neugierde setzend erreicht Nasan Tur so sein Ziel, in spielerischem Ernst Spuren in den Beteiligten zu hinterlassen, ihre Wahrnehmung nicht grundlegend zu ändern aber wohl ein kleines Stück zu verschieben und etwas weniger politisch als vielmehr im Privaten zu bewegen.

Untersuchungen zu unserer kulturellen und sozialen Identität

Zumeist an öffentlichen Orten, beobachtet Nasan Tur den Menschen und seine Verhaltensmuster und führt kritisch aber zugleich auch auf humorvolle Weise Untersuchungen zu unserer kulturellen und sozialen Identität. Seine performativen Interventionen, Videoarbeiten, Fotografien und Objekte zeigen kleine Störungen in alltäglichen Situationen und Bilder. Diesen eher spielerisch als provozierend angelegten Irritationen gelingt es unsere Vorstellungswelt zu erweitern.

Auch wenn die Reaktionen der umstehenden Menschen auf dieses kindlich, archaische Verhalten beinahe einheitlich zwischen ungläubigem Erstaunen und völliger Nichtbeachtung variieren, ist man versucht kulturelle Unterschiede zu entdecken.

Nasan Turs selfportrait, 2000, zeigt seinen aktuellen deutschen Personalausweis, für dessen Passbild er sich einen Schnurrbart wachsen ließ. Den Schnurrbart, den man in Deutschland klischeehaft mit ‚dem Türken‘ verbindet. Höchst subtil stellt diese Arbeit nicht nur die persönliche bzw. kollektive Identität in Frage, sondern ebenso die im Ausweis angelegte Reduzierung des Menschen auf seine amtliche Daten.

1974 geb. in Offenbach, Hochschule für Gestaltung Offenbach,  lebt in Frankfurt a.M.

Ausstellungen Schirn Kunsthalle, Frankfurt a.M., Deutsche Bank, Frankfurt a.M., New York, London und Tokyo, 2001 Testsieger, Kommunale Galerie, Darmstadt (E), 2002 Under The Beach: The Pavement, Museum of Contemporary Art, Istanbul, 2003 Blut und Honig, Sammlung Essl-Kunst der Gegenwart, Wien (K); BAR, raumpool e.V. Frankfurt (E,K); Neresi?/Burasi?, Museum of Modern Art, Saitama/Japan

Website: www.nasantur.com